Saturday, 6 February 2016

Les Chansons d'Amour (2007)

Kühles, dramaturgisch ungeschicktes Zitate-Ratespiel

Ismaël, Julie und Alice befinden sich in einer Dreierbeziehung. Solange jedenfalls, bis etwas ganz Schlimmes geschieht. Danach fühlt sich Ismaël plötzlich dem männlichen Geschlecht zugeneigt. Dazwischen wird ab und an ein bisschen gesungen. Und dann ist der Film auch schon wieder zu Ende.

So sähe meine etwas schludrige Inhaltsangabe zu Christophe Honorés Les Chansons d’amour aus. Und ganz ehrlich: Viel mehr hab ich in diesem Film nicht gesehen. Das Gimmick des Films sind die Gesangseinlagen, die offenbar ein Fingerzeig auf  Chanson-Filme wie Jacques Demys Les Parapluies de Cherbourg (1964) sein wollen. Mit Ludivine Sagnier hat man sich dann auch das Nesthäkchen aus François Ozons launiger Musik-Komödie 8 femmes (2002) an Bord geholt. Leider zünden von den dreizehn „Chansons der Liebe“ nur zwei: das neckische Terzett zwischen der Hauptfiguren (Je n'aime que toi) und das wunderschön melancholische Solo von Chiara Mastroianni (Au Parc).

In Les Chansons d’amour geht es um die Frage, wie man mit einem schweren Schicksalsschlag umgehen soll. Besser gesagt: Es hätte darum gehen sollen. Honorés Auseinandersetzung mit dieser Frage ist nämlich eher gestelzt. Natürlich, die Figuren lamentieren fleissig herum – aber wirklich interessiert hat mich das nicht. Fast hat man den verdacht, es wäre dem Regisseur wichtiger gewesen, die Grossen zu zitieren, als ehrlich in die Thematik einzutauchen.

Dass Ismaël nach und nach eine homosexuelle Beziehung aufbaut, passt zwar ins lose Thema der Freien Liebe, das auch mit der Ménage-à-trois angeschnitten wird, aber mehr als eine leere Fassade erkenne ich hier nicht. Es wird viel zu wenig auf dieses Verhältnis eingegangen! Als wäre nur eines wichtig: Nämlich, dass es sich eben um eine schwule Beziehung handelt. Wenn das alles ist, was es dazu zu sagen gibt, dann muss ich mich schon über diesen Handlungsstrang wundern, der mit zunehmender Laufzeit immer zentraler wird.

Die Beziehung zwischen Julie und Ismaël wird dadurch schlicht aus dem Bild gedrängt. Dabei wären doch gerade die beiden das Rückgrat der Geschichte gewesen! Kurz: Die Dramaturgie vonLes Chansons d’amour scheint mir reichlich ungeschickt zu sein. Ein blau getöntes Bild und ein paar bleiche Gesichter machen eben noch lange kein Drama.

Am Schluss versandet der Film dann geradezu im Nichts, als hätte Honoré gar keine Ahnung, worauf er mit seiner Geschichte eigentlich hinaus wollte. Es wird sicher Zuschauer geben, die dieses Manöver „offenes Ende“ nennen. Ich nenne es: „Vertuschung von Ideenlosigkeit“. Zurück bleibt ein Film, dem die klare Vision ebenso fehlt, wie das emotionale Zentrum. Les Chansons d’amour hat seine kleinen Momente, zaghafte Spuren wirklicher Gefühle – Mastroiannis Au Parc ist eine von ihnen. Ansonsten: Nichts als süsse Töne und heisse Luft für ein unterkühltes Zitate-Ratespiel.

4/10

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